Die Facebook Connectivity Initiative von Meta

Was ist Connectivity?

Der Fokus der Initiative liegt darauf, mehr Menschen Zugang zum Internet zu ermöglichen und die Welt besser zu vernetzen. Meta arbeitet dabei mit Partnern aus verschiedenen Branchen und Sektoren zusammen, um innovative Technologien zu entwickeln und die „größten Konnektivitätsherausforderungen der Welt“ anzugehen und zu lösen. Verschiedene Lösungsansätze und Programme sollen in der Initiative vereint werden und beinhalten Produkte für Nutzer*innen, zur Verbesserung von Infrastruktur, sowie Mess- und Analysesoftware, die dabei unterstützt. (10)

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„Across Africa, Facebook is the internet. [...] While Facebook in Africa remains broadly unpoliced, the platform’s benefit to the voiceless will be drowned out by those who are louder and more powerful. In the meantime, for small businesses and users alike, Facebook is unavoidable.

The company may be in a fight for its life in the west, as calls for regulation grow louder and cloud its prospects. But in Africa and other regions in the global south, Facebook’s economic, political and social influence almost guarantees it a second life.“

Nesrine Malik (The Guardian) (9)

Nutzer*innen, Infrastruktur und Analytik

Der Ausbau von Netzwerkkonnektivität in strukturschwachen Regionen soll in den drei zentralen Bereichen Infrastruktur, Nutzer*innen und Analytik vorangetrieben werden. Meta bietet dazu eine Bandbreite von Lösungen und Programmen an, die nun kurz vorgestellt werden sollen.

Im Bereich der Infrastruktur werden unterschiedliche Problembereiche mit den Ansätzen „Express Wi-Fi“, „Facebook Wi-Fi“, „Magma“, „Terragraph“ und „Evenstar“ angegangen. Die ersten beiden Produkte sollen Verwaltung und Monetarisierung von WLAN durch eine cloud-basierte Plattform oder durch einen Facebook-Account ermöglichen. Die anderen drei Ansätze sollen durch Verwendung innovativer Technologien und Kooperationen mit Kommunikationsdienstleistern ein kostengünstiges, alternatives Angebot für schnelles und zuverlässiges Internet schaffen. (10)

Im Rahmen dieses Projekts sind vor allem Metas Lösungen für Nutzer*innen von besonderem Interesse. Hier gibt es die zwei Produkte „Free Basics“ und „Discover“, die etwas detaillierter vorgestellt werden sollen. Insbesondere Facebooks „Free Basics“ (ehemals internet.org) welches 2013 erstmals veröffentlicht wurde, ist international medialer Kritik ausgesetzt (16).

Free Basics ist seit 2015 als App verfügbar und bietet Nutzer*innen freien Zugang zu grundlegenden Onlinediensten. Meta schreibt auf der eigenen Website, dass Zugang zu Kommunikationsplattformen, Gesundheitsinformationen oder Bildungsressourcen umsonst zur Verfügung gestellt wird, da viele Menschen in ärmeren Regionen trotz potenziellem Internetzugang die damit verbundenen Kosten nicht aufbringen können (10). Facebook wird dabei allerdings vorgeworfen, mit Prinzipien der Netzneutralität zu brechen, da nur vorher ausgewählte Seiten und Dienste (bzw. Dienste die Metas Kriterien entsprechen) über Free Basics erreichbar sind. Außerdem ist eine Registrierung bei Facebook nötig, um überhaupt Zugang zu erhalten und das Unternehmen sammelt umfassend Daten der Nutzer*innen. Das Programm wurde und wird durch Kooperationen mit Mobilfunkanbietern in 16 Entwicklungs- und Schwellenländern genutzt. In Indien wurde Free Basics 2016 jedoch bereits verboten, da es gegen die Netzneutralität verstößt. (16;9)

Seit 2020 testet Facebook zudem mit dem „Discover“ Programm eine weitere Möglichkeit, kostenlosen Internetzugang zu gewähren. Damit sollen Konnektivitätslücken geschlossen werden, um eine konsistente Internetnutzung zu gewährleisten. Dazu wird täglich eine geringe Menge an mobilen Daten zur Verfügung gestellt, mit der Webseiten eingeschränkt (z. B. ohne datenintensive Videos) genutzt werden können. Die App wird momentan vorerst jedoch erst vereinzelt getestet. (10; 14)

Im Bereich der Analytik gibt es die drei Software-Produkte „Network Insights“, „Market Insights“ und „Advanced Network Planning“, die Kommerzialisierung, Netzwerkausbau und Internetgeschwindigkeit global optimieren sollen. Die zusätzlichen Programme „Rural Access“ und „Network Investments“ sollen diese Ziele auf nachhaltigem Weg unterstützen und beschleunigen. (10)

Innovation oder Kolonisation?

Wie auch im ersten Beitrag, werden im Folgenden die Merkmale von digitalem Kolonialismus mit der Facebook Connectivity-Initiative verglichen, um zu bestimmen, inwiefern diese Beschreibung auf die Initiative zutrifft.

Das erste Merkmal, das Muster der Ausbeutung, ist im Rahmen von Facebooks Projekten vor allem in Form von virtueller Ausbeutung erkennbar. Programme wie Free Basics oder Discover greifen in umfassenden Maßen Daten von Nutzer*innen ab, aggregieren sie und nutzen sie anschließend intern oder verkaufen sie an Dritte weiter. Die Nutzer*innen haben dabei kein Mitspracherecht in der Frage, wie ihre Daten verwendet werden und sind sich oftmals nicht einmal bewusst, in welchem Ausmaß die ubiquitäre Sammlung von Daten geschieht. Gleichzeitig schlägt Meta riesige Profite aus der enormen Menge von Daten. Strukturelle Intransparenz erzeugt damit nicht nur Asymmetrien in Bezug auf das Wissen, was mit den Daten geschieht, sondern hegemoniale Machtgefälle zwischen Facebook und Nutzer*in. In diesem System des Überwachungskapitalismus ändert sich die Beziehung zwischen Kapitalisten und Bevölkerung fundamental. Sie sind nicht mehr durch Arbeitsverhältnisse oder Konsum voneinander abhängig. Vielmehr werden die Daten der Nutzer*innen als Produkte einseitig extrahiert und weiterverwertet. (18)

Die Kolonisation von Kommunikationsräumen ist das zweite Charakteristikum von digitalem Kolonialismus. Zum einen wird ein Großteil der benötigten digitalen Infrastruktur durch Facebook-Programme überhaupt erst bereitgestellt, zum anderen ist auch hier besonders das Programm Free Basics gesondert zu betrachten. Free Basics gewährt nur einen beschränkten Internetzugang zu ausgewählten Angeboten. Damit fungiert der Konzern praktisch als Gatekeeper, der darüber entscheidet, was für die Nutzer*innen zugänglich ist, und was nicht.

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Da eine Anmeldung bei Facebook notwendig ist, um Free Basics nutzen zu können und andere Dienste für die Menschen in einigen Regionen nicht verfügbar sind, gibt es keine Alternative und es entsteht eine gewisse Abhängigkeit von dem Programm. Facebook setzt sich also über die Nutzer*innen hinweg und entscheidet anhand eigener Kriterien, worauf diese zugreifen können und unter welchen Bedingungen dies geschieht. Auf diesen Aspekt zielt auch die internationale Kritik ab, die Meta Verletzung der Netzneutralität vorwirft (9).

Das dritte Merkmal, territoriale bzw. geografische Ausbreitung, ist vor allem durch die zahlreichen Infrastrukturprogramme und -kooperationen von Meta erfüllt. Da es das erklärte Ziel von Programmen wie „Rural Access“ oder „Network Investments“ ist, Netzwerkkonnektivität in abgelegenen Gebieten zu verbessern und auszubauen, wird dadurch natürlich auch der Einflussbereich von Meta direkt oder indirekt vergrößert.

Der Fokus von Facebook Connectivity liegt, wie der Name sagt, eindeutig auf dem Ausbau von Netzwerkkonnektivität in ärmeren oder abgelegenen Regionen der Welt. Es ist jedoch besonders die Software, die Facebook zur Verfügung stellt, die in Bezug auf Aspekte von digitalem Kolonialismus kritisch zu sehen ist. Die App Free Basics ist ein Paradebeispiel für digitalen Kolonialismus. Sie zeigt auf vielen Ebenen, wie ein großes Technologieunternehmen wie Meta Innovationen und Technik einsetzt, um von den Next Billion Users zu profitieren. Dieser Überwachungskapitalismus führt letztendlich dazu, dass diese Menschen auf digitalem Weg der Kontrolle und Macht des Konzerns ausgesetzt sind. Sämtliche Aspekte des Lebens werden über eine einzige Plattform gesteuert und diese liegt nicht in der Hand der Menschen, die sie nutzen, sondern auf der anderen Seite der Welt und weit außerhalb deren Einflussbereichs.

Quellenangaben und weitere Informationen sind im Impressum aufgelistet.